Die digitale ’sharing economy‘

Die digitale sharing economy oder share economy bietet die Möglichkeit für neue Geschäftsmodelle, die aber auch Probleme erzeugen können.  

Durch den digitalen Wandel in der Marktwirtschaft ‚beschleunigen sich die Transaktionen’, während gleichzeitig ‚die Transaktionskosten sinken’. Folglich treffen sich Angebot und Nachfrage immer öfters virtuell oder in digitalen Medien. Zum Beispiel erledigen viele von uns heutzutage unzählige Bank- und Kaufgeschäfte online. Außerdem ermöglicht es die mobile, digitale Kommunikation, Informationen aller Art in Sekundenschnelle sowie an verschiedenen Orten abzurufen.

Im Zuge der Digitalisierung werden auch die wirtschaftlichen Akteure häufig zu sogenannten Prosumenten, die Konsumenten und Produzenten zugleich sind. Daneben entwickeln sich neue Geschäftsmodelle und Formen der Wertschöpfung. Eine von diesen trägt die Bezeichnung share economy oder sharing economy.

Die digitale „Ökonomie des Teilens”

Den Begriff sharing economy definiert Prof. Dr. Oliver Bendel im Gabler Wirtschaftslexikon als „das systematische Ausleihen von Gegenständen und gegenseitige Bereitstellen von Räumen und Flächen, insbesondere durch Privatpersonen und Interessengruppen”. Mit anderen Worten nutzen Konsumenten im Sinne der „Ökonomie des Teilens” meistens das Eigentum eines Anbieters oder von Anbietern vorübergehend. Zentral im Vordergrund steht dabei der „Gemeinschaftskonsum”.

Für die Verbreitung solcher Wirtschaftsmodelle sorgen die elektronischen Plattformen, die sozialen Medien oder allgemein die digitalen Vernetzungen. Dementsprechend ist die „Ökonomie des Teilens” auf die Digitalisierung angewiesen. Insgesamt hat die digitale sharing economy jedoch das Potential, die nationale und damit auch die regionale Wirtschaft zu transformieren. Einen Vorgeschmack geben neuartige Unternehmen.

In den letzten 10 Jahren kamen beispielsweise in der Immobilien- und Mobilitätsbranche neue digitale Angebote hinzu – die 2008 gegründete Online-Plattform Airbnb und der 2009 ins Leben gerufene US-Fahrdienstleister Uber. Letzterer vermittelt Kunden in mehreren Ländern mit Hilfe von Apps private Fahrer. Hingegen bietet Airbnb  Vermittlungsdienste für Privatpersonen an, damit diese ihre Wohnungen anderen Personen vorübergehend zur Verfügung stellen können. Beide nehmen für ihre Dienste nur eine Gebühr und fungieren somit in der digitalen sharing economy als Vermittler oder ‚Mittelsmänner’.

Uber sozialstaatliche Regulierungen hinweg

In der flüchtigen Onlinewelt ist aber die Besteuerung von solchen Unternehmen äußerst schwierig. Eigentlich agieren die Akteure der digitale sharing economy potentiell frei von sozialstaatlichen Regulierungen, weil für Kunden das Zahlen der Mehrwertsteuer und sonstiger Beiträge wegfällt.

Zudem entstehen arbeitsrechtliche Fragestellungen und Schwierigkeiten mit Versicherungen – zum Beispiel durch die nicht vorhandenen Bescheinigungen der privaten Uber-Fahrer. Indem Unternehmen wie Uber oder Airbnb infolgedessen Dienstleistungen zu wesentlich günstigeren Konditionen und jenseits der traditionellen Regeln des Sozialstaates verrichten, erzeugen sie – abgesehen von einer problematischen Wettbewerbssituation – einen unangenehmen Konkurrenzdruck für reguläre Taxi-Unternehmen und Hoteliers.

Letztendlich wurde unter anderem UberPop mit privaten Fahrern in Deutschland verboten. Probleme hat auch Airbnb in Berlin. Doch sind Verbote angemessene Maßnahmen, um den Herausforderungen der digitalen sharing economy zu begegnen? Wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Digitalisierung unaufhaltsam ist und anderen Regeln folgt, muss man Zweifel an diesem Vorgehen anmelden.

Der Möglichkeitsspielraum der sharing economy und des „KAppitalismus”

Obwohl die Gefahr des mangelnden Kundenschutzes, der Selbstausbeutung oder Schwarzarbeit besteht, ebnen diese Geschäftsmodelle neben neuen Arbeitsmöglichkeiten den Weg zu einem effizienteren Umgang mit existierenden Ressourcen. Das trifft besonders für Menschen in dünn besiedelten Regionen zu. Angenommen dort wäre es schwer Hotels oder Transportdienste zu finden, hätte man aufgrund der Angebote der sharing economy einen größeren Möglichkeitsspielraum. Ergänzend dazu erlauben möglicherweise Online-Rankings Kundenschutz und Qualitätssicherung.

Es existieren darüber hinaus noch zahlreiche andere Formen der sharing economy wie Carsharing-Modelle und Musiktauschbörsen, die von Online-Plattformen oder der Kommunikation via App abhängig sind. In Anspielung auf die Vermittlung von Dienstleistungen via App verwendet der medial präsente Vorsitzende der Ludwig-Erhard-Stiftung Roland Tichy den Begriff „KAppitalismus“.

Es bleibe mal dahingestellt, ob sich der Begriff zusammen mit der sharing economy eignet, um die Entwicklung im Zuge der Digitalisierung zu fassen. Dennoch werden damit die digitalen Veränderungen der Wirtschaft angedeutet.

Quellen:

Weitere umfangreiche Beiträge zur sharing economy finden sich hier  oder hier

Dieser Blog-Artikel stützt sich u. a. auf ein Kapitel des folgenden Buches:

Oermann, Nils Ole: Wirtschaftsethik. Vom freien Markt bis zur Share Economy. München: C.H. Beck 2015. 

Veröffentlicht von

freedomfactsandstories

My name is Nils Zumbansen, Ph.D. I'm from Germany. The title of my blog already indicates what my blog is about. To put it more precisely, my bilingual blog covers the following topics: Western civilization, economic principles, British history, the British legal system, the concept of liberty, American politics, church history, Christianity, current affairs and the history and philosophy of science. Apart from these topics, I'm also interested in narratives and stories (i.e. literature, films and TV shows). I (will) publish my articles in English and German. // Mein Name ist Nils Zumbansen. Ich bin promovierter Anglist. Mein bilinguales Blog dreht sich um folgende Themen: Europäische und amerikanische Kultur, ökonomische Grundprinzipien, britische Geschichte, das britische Rechtssystem, Freiheitskonzepte, amerikanische Politik, Kirchengeschichte, das Christentum, aktuelle Ereignisse sowie Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftsphilosophie. Daneben bin ich auch an narrativen Strategien, Literatur, Filmen und TV-Serien interessiert. Ich schreibe meine Artikel auf Deutsch und Englisch.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s