Das Gründerväter-Erbe: Die U.S.A. sind eine Republik, keine reine Demokratie

Die berühmten ‚founding fathers’ der U.S.A. schufen eine Republik. Dabei wollten sie eine direkte Demokratie in Amerika vermeiden.

Häufig werden die Gründerväter der U.S.A. als Befürworter demokratischer Grundsätze gesehen. Diese Behauptung ist dann oft mit der Annahme verbunden, dass die Gründerväter an die Gleichheit aller Menschen glaubten. Sicherlich findet man in der Unabhängigkeitserklärung und den Artikeln der amerikanischen Verfassung zur Schaffung einer Republik (oder, genau genommen, einer konstitutionellen bzw. an eine Verfassung gebundene Bundesrepublik) ein Bekenntnis zu demokratischen Prinzipien.

Dennoch benötigt man zum genauen Verständnis, was die Gründergeneration wirklich von einer reinen Demokratie hielt, Hintergrundwissen über die Repräsentanten der Gründergeneration allgemein sowie deren Ansichten. Am Anfang ist es hilfreich, auf einige der prägenden Traditionen dieser Leute einzugehen.

Der Besitz zählt: Das Konzept der ‚freien Männer’

Die meisten der Gründerväter waren zwar Einheimische der dritten oder vierten Generation, waren aber immer noch durch bestimmte kulturelle Eigenheiten ihrer Vorfahren geprägt. Wie viele ihrer Landsleute hatten sie eine britische oder englische Herkunft und besaßen daher eine Vorstellung über die traditionellen englischen Konzepte des ‚freien Mannes’ (eng. freeman) und des Grundbesitzers (eng. freeholder).

Zu diesen Personengruppen gehörten im damaligen, sehr vom Standes- oder Klassenbewusstsein durchdrungenen England nicht nur Besitzer von Boden und Land, sondern auch Leute, die im Jahr einen Besitz im Wert von mindestens 40 Shilling aufweisen konnten. Nur solchen ‚Männern’ war es dann gestattet, als unabhängige Wähler ihre Stimme in Grafschaftswahlen abzugeben, um Personen im unteren Adelsstand (eng. Knights of the Shire) ins Unterhaus des Parlaments zu senden.

Die freemen oder freeholders besaßen also ein Wahlrecht aufgrund ihres finanziellen Vermögens. Folglich steht das Konzept des freeman / freeholder mehr mit Aristokratie als mit Demokratie in Verbindung. Die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika hingen diesem Konzept jedoch an und glaubten an eine natürliche Aristokratie. Hierbei ist ein Blick in bestimmte wichtige Dokumente der Gründergeneration lohnenswert.

Die ursprünglich begrenzte Zahl der Wahlberechtigten in Amerika

Zwar lehnte die Gründergeneration eine erbliche Monarchie ab. Allerdings erhob sie deutliche Einwände gegen eine pure oder direkte Demokratie.

Zunächst ist, unter Berücksichtigung des Wissens über die freeholders, die Betrachtung einer berühmten Passage aus der vom Gründervater Thomas Jefferson verfassten Unabhängigkeitserklärung angebracht:

„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräusserlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit. Daß zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten…”

Jefferson erklärt im ersten Teil des Satzes die Gleichheit aller Menschen vor Gott und die Rechte, welchen allen Menschen zustehen, wohingegen er sich bei den ‚Regierten’ im letzten Teil in erster Linie auf die freemen bezieht.

Die Klasse der freemen setzte sich im damaligen Amerika hauptsächlich aus Großgrundbesitzern zusammen. Somit war vor allem eine Gruppe von wohlhabenden Menschen rechtmäßig befähigt, Repräsentanten auszuwählen und der Regierung Macht zu gewähren.

Interessanterweise besaß jeder Bundesstaat Kriterien zur Ermittlung der Wahlberechtigten, die ähnlich wie im früheren England einen bestimmten Wert an Eigentum nachweisen mussten. Demnach konnte nur eine begrenzte Anzahl von Bürgern das Recht zu wählen wahrnehmen, während dagegen viele andere Menschen (u. a. Sklaven, Schwarze und Frauen) ausgeschlossen wurden.

Erst mit der Ausdehnung des Wahlrechts im Laufe des 19. bzw. am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde allen weißen Männern, Schwarzen (mit z. T. erheblichen Einschränkungen in manchen Staaten) und Frauen die Berechtigung dazu zuteil. Die Vereinigten Staaten kamen damit insgesamt in ihren ersten Jahren oder Jahrzehnten der Definition von einer Republik im engeren Sinne nahe, nämlich ein Zusammenschluss aus einer Reihe von Bundesstaaten mit gemeinschaftlich gewähltem / bestimmtem Oberhaupt und Delegierten ohne direktes Wahlrecht.

Das wird dadurch bestätigt, wie die Wahl in Bezug auf die drei Gewalten Legislative, Exekutive sowie Judikative ursprünglich angelegt war. Zum Beispiel wählten bis zur Ratifizierung des 17. Zusatzes zur Verfassung (1913) nur die entsprechenden Gesetzgeber der einzelnen Staaten die Senatoren. Darüber hinaus sind die U.S. Präsidenten schon immer indirekt von so genannten Wahlmännern / Wahlfrauen aus den einzelnen Bundesstaaten ins Amt gewählt worden.

Eigentlich etablierten die Gründerväter das Wahlmännersystem (Electoral College), um u. a. eine direkte Demokratie zu verhindern und die einzelnen Bundesstaaten zu stärken. Anfangs bevorzugten die meisten Vertreter der Gründergeneration sogar die alleinige Ernennung des Präsidenten durch den Kongress.

Die Tyrannei der ‚Faktionen’

Seit jeher werden die Richter des hohen Bundesgerichtes (Supreme Court) vom amtierenden Präsidenten mit Zustimmung des Senates ernannt. Man kann an diesem Punkt bereits erkennen, dass die Gründerväter ein System der indirekten Ernennung intendierten. Ausschließlich die Mitglieder des Repräsentantenhauses wählte das Volk von Beginn an direkt.

Die anderen beschriebenen Regierungsebenen waren allerdings Kontrollinstanzen für das Repräsentantenhaus zur Verhinderung der Tyrannei der Mehrheit. Davor warnte ein weiterer berühmter Gründervater, James Madison, in der bekannten Abhandlung The Federalist No. 10.

Dieses Dokument rät von einer reinen Demokratie ab, da eine solche Form gefährliche ‚Faktionen’ bzw. Gruppen schaffen würde, welche, Madisons Meinung nach, durch bestimmte Allianzen sowie Unehrlichkeit die Gelegenheit hätten, andere gesellschaftliche Gruppen oder Minderheiten zu missbrauchen. Als Vorbeugemaßnahme gegen die Tyrannei der Faktionen plädierte Madison für die von den founding fathers intendierte repräsentative Republik sowie eine Stärkung der einzelnen Bundesstaaten.

Unterschiedliche Talente und Fähigkeiten

Im Großen und Ganzen glaubte die Mehrheit der Gründervätergeneration überhaupt nicht an eine direkte oder reine Demokratie. Selbstverständlich waren alle Bürger der Vereinigten Staaten zu einem Leben in Freiheit und dem Streben nach Glück berechtigt. Nichtsdestotrotz sollten in der neuen Republik die Regierungsverantwortlichen ursprünglich größtenteils von Gesetzgebern der einzelnen Bundesstaaten sowie dafür vorgesehenen Personen ernannt werden.

Dabei orientierten die Gründerväter sich an dem ihnen vertrauten traditionellen (englischen) Konzept des freeholder. Ihnen zufolge hatte jeder Mensch bestimmte Rechte vor Gott, aber auch unterschiedliche Talente und Fähigkeiten. Aus diesem Grund war es aus ihrer Sicht zum großen Teil nur dazu befähigten Leuten gestattet, die Regierungsmitglieder zu ernennen.

Quellen:

Addison, Joseph: The Freeholder. Oxford: Clarendon Press 1979.

Bosso, Christopher J., John H. Portz u. Michael C. Tolley: American Government. Conflict, Compromise, and Citizenship. Boulder: Westview Press 2000.      

Cannon, John (Hg.): Dictionary of British History. Oxford: Oxford University Press. Überarb.  Aufl. 2009. 

McClanahan, Brion: The Politically Incorrect Guide to The Founding Fathers. Washington D.C.: Regnery Publishing, Inc. 2009.

 

Veröffentlicht von

freedomfactsandstories

Nils Zumbansen, Ph.D. You can contact me under the following email // Sie können mich über die folgende E-Mail-Addresse erreichen: freedomfactsandstories@gmail.com

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s