Die wirtschaftliche Sinnlosigkeit von Krieg und Zerstörung

Henry Hazlitt erläutert mit Hilfe von Bastiats ‚zerbrochenem Schaufenster‘, warum Krieg und Zerstörung der Wirtschaft schaden und ökonomisch sinnlos sind.

Häufig liest und hört man von wirtschaftlichen Aufschwungsphasen in sowie nach Zeiten eines Krieges. Dabei werden beispielsweise massive Aufrüstungsanstrengungen oder Wiederaufbauarbeiten als Gründe genannt. Solche Aussagen erwecken den Eindruck, dass Krieg und Zerstörung, bei allen sonstigen ethischen Bedenken dagegen, nicht unbedingt negativ – ja sogar nützlich – sein können.

Diesen Vorstellungen erteilt der Wirtschaftsjournalist Henry Hazlitt in seinem Buch Economics in One Lesson eine klare Absage. Um seinen Überlegungen eine Basis zu geben, wird von Hazlitt die Geschichte des zerbrochenen Schaufensters von Frederic Bastiat herangezogen. 

Das zerbrochene Schaufenster: Ein Lehrstück 

In einer friedlichen Kleinstadt besitzt Bäcker Müller einen Laden. Die Arbeit ist mühsam, aber einigermaßen rentabel. Eines Tages wird plötzlich das Schaufenster seines Ladens von einem kleinen Jungen, der nach seiner Tat schnell verschwindet, eingeworfen.

Wenig später bemerken einige Bewohner das zerbrochene Schaufenster, sammeln sich um den Laden und diskutieren. Die Diskussion dreht sich nach wenigen Minuten um die möglichen Folgen. Hierbei sind viele Bewohner von dem wirtschaftlichen Nutzen dieses Aktes der Zerstörung insgesamt überzeugt, da der Glaser nun mehr Arbeit hat und daran verdient. So ähnlich beginnt eine der Schriften des französischen Ökonom Frederic Bastiat, der das zerbrochene Schaufenster als Aufhänger für ein Lehrstück verwendet. 

Der angebliche wirtschaftliche Nutzen des zerbrochenen Schaufensters ist laut Bastiat ein Trugschluss. Tatsächlich entspricht ein Teil der Behauptung der oben erwähnten Bewohner der Wahrheit, denn der Glaser bekommt nach diesem Vorfall wirklich mehr Arbeit und dafür einen entsprechenden Lohn. Jedoch wird hier nur berücksichtigt, was zu sehen ist. Was man nicht sieht sind zum Beispiel die ökonomischen Auswirkungen des zerbrochenen Schaufensters für den Geschädigten, den Bäcker.

Der Einfachheit halber soll in diesem Zusammenhang angenommen werden, dass das Schaufenster nicht versichert ist und der Bäcker sich von seinen erarbeiteten Ersparnissen einen schönen Anzug im Geschäft eines Schneiders kaufen wollte. Anstatt sein Vorhaben umzusetzen, gibt er aber dieses Geld jetzt dafür aus, um das Fenster zu ersetzen; mit anderen Worten das, was er vor dem Ereignis schon längst hatte. Nun ist das Geld für den Schneider wohl nicht mehr vorhanden. Dieser kann jetzt selbstverständlich nicht mehr davon profitieren. 

Das Lehrstück in einem anderen Kontext: Kein Vorteil durch Krieg

Das Lehrstück Bastiats wird von Henry Hazlitt auf einen sehr viel größeren sowie auch ganz anderen Kontext übertragen, nämlich auf die Kriegs- und insbesondere Nachkriegszeit. Während diesen Phasen sind beispielsweise viele Aufrüstungsanstrengungen, Wiederaufbaumaßnahmen von zerstörten Gebäuden und die Ausführungen von zuvor nicht wahrgenommenen Aufträgen zu verzeichnen. Außerdem steigen scheinbar die Löhne und die Gesamtnachfrage.

Das alles lässt eine Vielzahl von Menschen an ein Aufblühen der Wirtschaft in Kriegs- und Nachkriegszeiten glauben, obwohl sie in der Mehrzahl Krieg generell ablehnen. Wer allerdings eine solche Sicht auf die Dinge hat, ist nach Meinung von Henry Hazlitt dem gleichen Fehlschluss wie die Bewohner in Bastiats Schrift erlegen. 

Eine Zerstörung von Häusern sowie Eigentum und ein Ausfall der Produktion von bestimmten Gütern während des Krieges erhöhen zwar die Anstrengungen diese in der Nachkriegszeit zu ersetzen bzw. herzustellen. Dennoch wird Hazlitt zufolge in dieser Situation nur die Richtung der Anstrengungen innerhalb der Wirtschaft verändert. Die für die genannten Tätigkeiten benötigten Arbeitskräfte und Produktionskapazitäten stehen demnach anderen Bereichen in der Wirtschaft, welche auf sie z. T. auch dringend angewiesen sind, nicht zur Verfügung.

Aus diesem Grund hat die Verschiebung des wirtschaftlichen Gleichgewichts für die anderen Zweige oder Unternehmen höchstwahrscheinlich negative Konsequenzen. Darüber hinaus ist nach Hazlitt der Begriff Nachfragein Kriegs- wie Nachkriegszeiten irreführend. Nachfrage impliziert nämlich Kaufkraft, die in solchen Phasen grundsätzlich abnimmt, weil Kriege logischerweise je mehr sie zerstören, mehr Armut bringen. Lieber spricht Hazlitt von (Nachkriegs-)Bedarf.   

Weitere Trugschlüsse in Bezug auf Kriegsphasen hängen aus Hazlitts Sicht mit dem Thema Geld zusammen. Fatalerweise sind viele Menschen in Kriegszeiten der Meinung, dass ihre Einkommen steigen. In Wirklichkeit ist die angebliche Einkommenssteigerung jedoch nur die Folge einer Kriegsinflation.

Bei einer Inflation erhöht sich die Geldmenge, wobei der Wert des Geldes allgemein abnimmt und sich die Preise erhöhen. Die Menschen entwickeln daher die Vorstellung – bezogen auf ihr Geld – mehr zu besitzen, wenngleich sie, wie Hazlitt ausführt, im Hinblick auf Waren ärmer sind oder weniger kaufen können. 

Die Lektion zusammengefasst 

Die Menschen mit dem Glauben an eine gewisse Nützlichkeit von Krieg und Zerstörung sind im Großen und Ganzen vergleichbar mit den Bewohnern in der Geschichte über das zerbrochene Schaufenster. Auch die Bewohner achten nicht auf die langfristigen Konsequenzen und vergessen weitere betroffene Gruppen in ihre Analyse einzuschließen. Insgesamt ist jede Art von Zerstörung, sei es durch Krieg oder andere Ursachen, auf lange Sicht schädlich für eine entwickelte Wirtschaft.

Eine Ausnahme besteht vielleicht in der Situation, wenn zum Beispiel durch einen Krieg ausschließlich unproduktive, ineffiziente oder völlig abgeschriebene Anlagen zerstört und durch neuere ersetzt würden. Das trifft aber normalerweise nie zu.

Quellen

Bastiat, Frederic: Selected Essays on Political Economy. New York: The Foundation for Economic Education, Inc. 1964. Aus dem Französischem von Seymour Cain. 

Hazlitt, Henry: Economics in One Lesson. New York: Harper & Brothers 1946.                     

 

 

 

 

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Veröffentlicht von

freedomfactsandstories

Nils Zumbansen, Ph.D. You can contact me under the following email // Sie können mich über die folgende E-Mail-Addresse erreichen: freedomfactsandstories@gmail.com