Eine Geschichte über die Entdeckung der Pockenimpfung: Edward Jenner, seine Beobachtungen und sein ‚bemerkenswertes‘ Experiment

In der heutigen westlichen Welt können wir uns kaum mehr vorstellen, wie verheerend der ansteckende Pockenvirus in der Vergangenheit war. Viele Kinder starben an Pocken. Zudem konnte der Pockenvirus einen beträchtlichen Teil der Bevölkerung auslöschen. Dies war insbesondere in Großstädten der Fall, weil sich dort der Virus rasch ausbreitete. Es wird geschätzt, dass im England des 17. Jahrhunderts ca. ein Viertel der Bevölkerung dieser furchterregenden Infektionskrankheit zum Opfer fiel.

Zu den Symptomen gehören hohes Fieber, starke Schmerzen sowie ausgeprägte Hauterscheinungen. So ist die Haut mit Pusteln oder Eiterbläschen übersät. Aber im Jahr 1980 gab die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bekannt, dass die Pocken vollständig ausgerottet seien. Heute lagern die noch verbliebenen Exemplare der gefährlichen Pockenviren in zwei Laboren. Eines befindet sich in den USA und das andere in Russland. (Trotzdem werden die Pocken zudem künstlich im Labor nachgezüchtet.)

Den Grundstein für die vollständige Ausrottung des Pockenvirus legte der englische Landarzt Edward Jenner (1749-1823). Er praktizierte in seiner Heimatstadt Berkeley in Gloucestershire. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts entdeckte er die Pockenimpfung durch seine Beobachtungen und durch ein ‚bemerkenswertes‘ – aus heutiger Sicht allerdings umstrittenes – Experiment.

Unsere Geschichte beginnt im ländlichen Gloucestershire des 18. Jahrhunderts. Neben Jenner – dem ‚Helden der Geschichte‘ – sind Melkerinnen, Kühe und ein achtjähriger Junge die Protagonisten.

Jenners Beobachtungsgabe: Die Melkerinnen gaben den ersten Hinweis

Es war im ländlichen Gloucestershire hinlänglich bekannt, dass Melkerinnen aufgrund ihrer Arbeit mit Kühen an Kuhpocken ‚erkrankten‘. Dabei handelt es sich um eine relativ leichte virale Infektion. Obwohl die Hände der Melkerinnen Pockenpusteln oder Pockenläsionen aufwiesen, schienen sie widerstandsfähiger gegenüber dem gefährlichen Pockenvirus zu sein. Somit gaben die Melkerinnen den ersten Hinweis.

Edward Jenner bemerkte dies (wohl) durch seine Beobachtungsgabe. In den folgenden Jahren machte er weitere Beobachtungen. Schließlich entwickelte er die Hypothese, dass eine Impfung mit Kuhpocken potenziell gegen die Pocken schützen könnte. Um dies zu testen, musste er aber ein Experiment durchführen.

Das Experiment mit dem kleinen Jungen

Die Impfpraxis war in England bereits geläufig. Nachdem sich die englische Aristokratin Lady Mary Wortley Montagu (1689-1762) in Konstantinopel von der Wirksamkeit der Impfung überzeugt hat, ließ sie erst ihren kleinen Sohn und später in England ihre Tochter impfen. Sie brachte außerdem die Prinzessin von Wales dazu, die Behandlung im Jahr 1721 bei ihren Töchtern auszuprobieren. Diesbezüglich sollte man beachten, dass der Eingriff zuvor an zum Tode verurteilten Straftätern getestet wurde. Sie überlebten und wurden danach aus dem Gefängnis entlassen.

Schon bevor Jenner seine Experimente durchführte, injizierten während des 18. Jahrhunderts auch andere Individuen – wie ein Deutscher namens Jobst Bose oder der englische Bauer Benjamin Jesty (1736-1816) – einzelnen Personen Pockenmaterial, um sie gegen die Pocken zu immunisieren. Nichtsdestotrotz führte Jenner im Jahre 1796 das letztlich entscheidende Experiment in dieser Hinsicht durch.

Zuerst entnahm Jenner Eiter von einer Kuhpockenläsion, die er an der Hand der infizierten Melkerin Sarah Nelmes entdeckte. Anschließend führte er den Eiter in Einschnitte an den Armen eines achtjährigen Jungen ein. Sein Name war James Phipps, der der Sohn von Jenners Gärtner war.

Der kleine Junge blieb gesund, auch wenn er einmal an einem eintägigen Fieber litt. Sechs Wochen später injizierte Jenner ihm Pockenmaterial. Trotzdem erkrankte er nicht, wodurch die Wirksamkeit dieser Art der Impfung bestätigt wurde.

Vom heutigen Standpunkt aus gesehen wirkt Jenners Experiment sicherlich beunruhigend. Solch ein Experiment mit einem achtjährigen Jungen würde heutzutage von einem medizinischen Ethik-Kommitee untersagt werden. Bereits zu Jenners Lebzeiten rief sein innovativer Ansatz anfangs negative Reaktionen hervor.

Anfängliche Kritik und späteres Lob

Die Royal Society lehnte die Veröffentlichung von Jenners Aufsatz ab. Stattdessen entschied er sich dazu, seine kurze Abhandlung mit dem Titel An Inquiry into the Cause and Effects of Variolae Vaccinae, or Cowpox (1798) privat zu veröffentlichen. An dieser Stelle ist es sinnvoll, auf den ersten Teil des Wortes ‚Vaccinae‘ einzugehen. Er bezieht sich nämlich auf das lateinische Wort für Kuh – ‚vacca‘. Im Englischen übersetzt man (Schutz-)Impfung übrigens daher mit ‚vaccination‘.

Zu Beginn betrachteten einige Menschen die neue Methode der Schutzimpfung mit Argwohn. Man beklagte sich zum Beispiel über die angebliche ‚Kontamination‘ des Menschen mit Material von Kühen oder überhaupt mit tierischem Material. Zudem existierte beispielsweise eine Karikatur. Sie bildet anscheinend geimpfte Menschen ab, aus deren Körperteilen unter anderem Kuhköpfe wachsen.

Jedoch wurde die Schutzimpfung sowohl in Großbritannien als auch im Ausland langsam aufgegriffen. Interessanterweise, machte ein Parlamentsgesetz aus dem Jahr 1853 die Schutzimpfung verpflichtend.

Jenner wurde als eine Art Held gefeiert. Er erhielt unter anderem Ehrengaben vom britischen Parlament und wurde von Napoleon sowie einem berühmten Gründervater der USA – Thomas Jefferson – ausdrücklich gelobt.

Quellen:

Bynum William: The History of Medicine. A Very Short Introduction. Oxford (et al.): OUP 2008.

French, Steven: Science. Key Concepts in Philosophy. London: Continuum 2007.

Stevenson, Leslie u. Henry Byerly: The Many Faces of Science. An Introduction to Scientists, Values, and Society. Boulder (et al.): Westview Press 1995.  

 

 

 

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Edward Jenner – The Story of How He Discovered the Smallpox Vaccine through Observation and a ‚Remarkable‘ Experiment

In the Western world today, we can hardly imagine how devastating the infectious smallpox virus was in the past. Lots of children died of smallpox, which could also wipe out a significant part of the whole population – especially in cities because there it could spread more quickly and easily. It is (/ was) estimated, for example, that this terrible disease led to the death of a fourth of England’s population during the 17th century.

The symptoms include high fever, pain and a skin eruption. Accordingly, the skin is then covered with fluid filled blisters. But in 1980 the World Health Organisation announced the global eradication of smallpox by stating: ‚Smallpox is dead.“ Nowadays, the few remaining specimens of this dangerous virus are kept by just two laboratories in the U.S.A. and in Russia.

The foundation for the eradication of the smallpox virus was laid by the English country doctor Edward Jenner (1749-1823). He practiced at his hometown Berkeley, Gloucestershire. Towards the end of the 18th century, he discovered the smallpox vaccine through his observations and a ‚remarkable‘ – but from today’s perspective disputable – experiment.

Our story begins in 18th-century rural Gloucestershire. Besides Jenner, ‚the hero of the story‘, the protagonists were milkmaids, cows and an eight-year-old boy.

Jenner’s Observant Eye – Milkmaids Provided the First Clue

It was known in rural Gloucestershire that milkmaids contracted cowpox, a relatively mild viral infection, because of their work with cows. Although they had blisters on their hands, the milkmaids seemed to have become more resistent to the serious smallpox virus. Hence, the milkmaids in Gloucestershire provided the first clue.

Edward Jenner noticed this with his, so to speak, ‚observant eye‘ and made further observations of milkmaids over some years. Eventually, he developed the hypothesis that    inoculation with cowpox could potentially immunize against smallpox. However, to test whether material from cowpox blisters could protect against smallpox, he had to perform an experiment.

The Experiment with a Young Boy

The practice of inoculation was common in England. After Lady Mary Wortley Montagu (1689-1762) had witnessed the effectiveness of inoculation in Constantinople, she had her young son and, later in England, her daughter inoculated. She also convinced Caroline, the Princess of Wales, to try the treatment on her daughters in 1721. Note that the procedure had previously been tested on criminals, who were sentenced to death. They survived and were afterwards released from prison.

During the 18th century a German named Jobst Bose, the English farmer Benjamin Jesty (1736-1816) and a few others had arguably injected material from cowpox into some individuals as a means of protection against smallpox before Jenner started his experiments. Nevertheless, the latter conducted the decisive experiment in 1796.

First of all, Jenner removed some of the pus from a cowpox lesion he found on the hand of Sarah Nelmes, an infected milkmaid. Subsequently, he rubbed this pus into cuts or scratches in the skin of the arms of an eight-year-old boy. His name was James Phipps, the son of his gardener.

The young boy remained relatively well, even though he suffered from mild discomfort (i.e. a day’s fever). Six weeks later, the country doctor injected the young boy with ordinary smallpox material. Despite this exposure to smallpox material, James Phipps was unaffected and survived. Since the boy was immune, Jenner confirmed the effectiveness of this kind of inoculation or – what we nowadays call ‚vaccination‘ – with the help of his novel approach.

From our today’s point of view, Jenner’s experiment certainly seems disconcerting. Such an experiment with an eight-year-old boy would surely have been forbidden by a medical ethics committee. Unsurprisingly, already in his own lifetime, his approach prompted some initial negative reactions.

From a Cartoon of People with Cows‘ Heads and Other Negative Reactions to Compulsory ‚Vaccination‘

The Royal Society rejected the publication of Jenner’s original paper. Edward Jenner thus set about publishing his account An Inquiry into the Cause and Effects of Variolae Vaccinae, or Cowpox (1798) privately. It should be noted that the beginning of the word ‚Vaccinae‘ refers to the Latin word for cow, ‚vacca‘. Therefore, the term vaccination has come into use.

Initially, some people were, of course, suspicious of the new technique of vaccination and reacted negatively. For instance, one complaint related to the alleged ‚contamination‘  of humans with matter from a cowpox lesion or, in general, with animal material. There was also a cartoon that depicts a vaccine institution, in which cows‘ heads and hooves grow out of vaccinated people’s body parts.

Yet, the idea of vaccination slowly became popular in Britain and abroad. Interestingly, an Act of Parliament made vaccination compulsory.

As for Jenner, he acquired hero status. He received grants from the British Parliament and was praised by, among others, the famous U.S. Founding Father Thomas Jefferson and Napoleon.

Sources:

Bynum William. The History of Medicine: A Very Short Introduction. Oxford (et al.): OUP, 2008.

French, Steven. Science: Key Concepts in Philosophy. London: Continuum, 2007.

Stevenson, Leslie, and Henry Byerly. The Many Faces of Science: An Introduction to Scientists, Values, and Society. Boulder (et al.): Westview Press, 1995.  

„This England“ – John of Gaunt’s Famous Speech in Shakespeare’s ‚Richard II‘

In William Shakespeare’s English history play Richard II John of Gaunt delivers a patriotic speech, which has been often quoted ever since. 

In Act II, Scene I of William Shakespeare’s English history play Richard II the dying John of Gaunt awaits the arrival of King Richard II at Ely House in London, while talking to the Duke of York, his brother. Both have a very critical attitude towards the king.

John of Gaunt eventually delivers a famous speech. As far as the reception of Shakespeare is concerned, his speech has been regarded as an invocation of English patriotism. Correspondingly, it has been often quoted ever since. This especially applies to phrases like „this scepter’d isle“ or „[t]his blessed plot, this earth, this realm, this England“.

First of all, Gaunt’s speech evokes an image of England that is majestic, beautiful and protected from outside attacks or harm. It is also depicted as a fertile, feared, highly respected and divinely favoured country. Generally speaking, the depiction of „[t]his blessed plot, this earth, this realm, this England“ gives the impression of a natural fortress and an organic whole.

However, John of Gaunt then laments that England has been rented out. Here he refers to King Richard’s methods and plans to fund his wars in Ireland. (That is, parcels of land are leased to wealthy noblemen to raise money.) Thus, England („this scepter’d isle“) – which is safe from outside harm and, in the past, conquered others – harms itself at present or, so to speak, „[h]ath made a shameful conquest of itself“ because of internal corruption.

A Part of John of Gaunt’s Speech (and Photos)

„This royal throne of kings, this scepter’d isle,
This earth of majesty, this seat of Mars,
This other Eden, demi-paradise,

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Garden – Hampton Court Palace (Surrey, 2011)

This fortress built by Nature for herself
Against infection and the hand of war,
This happy breed of men, this little world,
This precious stone set in the silver sea,
Which serves it in the office of a wall,
Or as a moat defensive to a house,

Against the envy of less happier lands,
This blessed plot, this earth, this realm, this England,
This nurse, this teeming womb of royal kings,
Fear’d by their breed and famous by their birth,
Renowned for their deeds as far from home,

For Christian service and true chivalry,
As is the sepulchre in stubborn Jewry,
Of the world’s ransom, blessed Mary’s Son,
This land of such dear souls, this dear dear land,
Dear for her reputation through the world,

Is now leased out, I die pronouncing it,
Like to a tenement or pelting farm:
England, bound in with the triumphant sea
Whose rocky shore beats back the envious siege
Of watery Neptune, is now bound in with shame,

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Seven Sisters‚ (Sussex, 2011)

With inky blots and rotten parchment bonds:
That England, that was wont to conquer others,
Hath made a shameful conquest of itself.
Ah, would the scandal vanish with my life,
How happy then were my ensuing death!“

 

Note: The other photos show Rochester (Kent), Rochester Castle, Leeds Castle (Kent), St Martin’s Church (Canterbury, Kent), Rochester Cathedral (outside and inside), Battle Abbey (Sussex; inside), a tomb in a chapel at Arundel Castle (West Sussex), Battle Abbey (outside).

Source:

Hammerschmidt-Hummel, Hildegard. (Ed.) Die Shakespeare-Illustration (1594-2000). Teil 2. Wiesbaden: Harrassowitz Verlag, 2003.

Bemerkenswerte Zitate / Aussagen: Modeschöpferin Jil Sander und ihr ‚Denglisch‘

Die deutsche Sprache wimmelt inzwischen von Anglizismen bzw. Amerikanismen wie T-shirts, Shorts, Eyeliner, After Shave Lotion, Lifestyle, Inlineskating oder E-Mail. Gerade vor dem Hintergrund der Globalisierung unserer Alltagssprache sehe ich solche Anglizismen bzw. Amerikanismen nicht unbedingt als Bedrohung für unsere deutsche Sprache an. Wenn es beispielsweise um die Aufnahme einzelner Begriffe für neue Sachverhalte geht, finde ich die Verwendung von Anglizismen durchaus legitim.

Allerdings gibt es auch eine Reihe von überflüssigen Anglizismen. Sie sollte man aus meiner Sicht unbedingt vermeiden. Hier lohnt sich ein Blick in das Wörterbuch überflüssiger AnglizismenRichtig eigenartig sind außerdem Pseudoanglizismen oder Scheinanglizismen, die wir anstelle deutscher Wörter für neue Gegenstände oder Sachverhalte gebrauchen. Bestes Beispiel ist das deutsche Wort Handy für Mobiltelefon.

Bizarr ist meiner Meinung auch die bewusste oder absichtliche Verwendung des sogenannten „Denglisch”.  Als anschauliches Beispiel dafür dienen Aussagen der bekannten deutschen Modeschöpferin Jil Sander in einem Interview aus dem Jahre 1996:

„Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.”

Auf den Einschub (sic) habe ich mal an einigen Stellen verzichtet. But ich habe die opinion, dass man solchen use der language avoiden sollte. 😉

William Shakespeare: Die Kontroverse um seine Identität und Autorschaft

Die Debatte um die Verfasserschaft von Shakespeares Werken hat eine Geschichte. Dabei wird daran gezweifelt, dass Shakespeare aus Stratford der Autor war. 

William Shakespeare ist sicherlich der berühmteste Dramatiker der Welt, bekannt durch Werke wie Romeo and Juliet, Richard III und Hamlet. Allerdings sind diese häufig auch nur über berühmte Aussprüche wie „Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage“ aus Hamlet oder „Ein Pferd, ein Pferd, mein Königreich für ein Pferd!“ aus Richard III geläufig.

Jedoch wird gerade im populärwissenschaftlichen Bereich die Identität Shakespeares angezweifelt. So bestreiten einige Kritiker und Verschwörungstheoretiker, dass William Shakespeare aus dem Ort Stratford-upon-Avon tatsächlich all die bekannten Tragödien, Komödien und Historienstücke verfasst hat.

Das Bild von Shakespeare als Naturtalent

Die Ursache für die Zweifel an seiner Autorschaft sind ideologisch motivierte Meinungen und Thesen, die bis in die Frühe Neuzeit zurückreichen. Ein gutes Beispiel dafür liefert der englische Dichter Leonard Digges (1588-1635) in dem 1640 erschienenen Buch Poems.

In seinen kommentierenden Versen dazu wird Shakespeare von Digges als Naturtalent dargestellt, der in seinen Meisterwerken weder griechische oder lateinische Phrasen kopierte noch fremde Ideen übernahm. Wie sich aber herausstellte, ist Digges Darstellung von Shakespeare überhaupt nicht korrekt, denn Shakespeares Stücke sind voll von Übersetzungen klassisch lateinischer Textpassagen. Zudem findet man Handlungsmuster anderer Autoren.

Das Bild von Shakespeare als reines Naturtalent öffnete schließlich die Tür für verschiedene Sichtweisen. Hierbei ist vor allem die britische Tradition „Bardolatry“ im 18. Jahrhundert erwähnenswert. Diese war sehr vom Nationalbewusstsein gefärbt. Bezogen auf Shakespeare hatten die Anhänger dieser Tradition oder Bewegung daher ein Interesse daran, ihn als einen von ausländischen und klassischen Modellen unbeeinflussten Sohn englischen Bodens bzw. als einheimisches Genie vom Lande zu präsentieren.

Ähnlich verhält es sich mit den Romantikern des 19. Jahrhunderts. Sie waren Verehrer der durch die Natur inspirierten Vorstellungskraft sowie des Individuums, das sich den herkömmlichen Konventionen widersetzt. Folglich erkannten sie in dem angeblich uninstruierten Naturtalent Shakespeare aus dem ländlichen Stratford-upon-Avon solche Züge und verehrten seine Werke mit einer fast quasi-religiösen Haltung.

Von Verehrung, Fälschung und Zweifel

Allgemein entwickelte sich im Verlauf des 18. Jahrhundert in England ein Personenkult um Shakespeare. Die große Verehrung für seine Werke erhöhte selbstverständlich das Interesse an seiner Person. Zusätzlich erzeugte das Nichtvorhandensein von originalen Manuskripten und genauen biographischen Fakten ein Verlangen nach solchen Dokumenten und Informationen.

Aufgrund der sich entwickelnden Konsumgesellschaft wurde Shakespeare zusätzlich zur Ware gemacht. All das bildete selbstverständlich den Nährboden für Fälscher, die angebliche Originalmanuskripte und autobiographische Dokumente in Umlauf brachten. Ferner wurde Shakespeare mit dem Aufkommen der modernen Industriegesellschaft speziell als Autor gesehen. Man koppelte ihn also zunehmend von der Gestalt des Dramatikers bzw. der Theaterwelt ab.

Im Laufe der Zeit entdeckten Gelehrte nicht nur in ein paar Texten Spuren, die auf Kollaborationsarbeiten mit anderen Autoren hindeuten, sondern fanden in allen Werken zahlreiche aus einheimischen, fremden und klassischen Quellen übernommene Passagen und Themen. Deshalb konnte das Bild vom reinen oder unbeeinflussten Naturtalent nicht aufrechterhalten werden.

Weil biographische Informationen über ihn weiterhin spärlich waren und der Mann aus dem ländlichen Stratford-upon-Avon als Autor der literarischen Meisterwerke nicht in Frage zu kommen schien, zogen einige Kritiker die traditionelle Sicht auf die Autorschaft in Zweifel. Dies begann ab dem 19. Jahrhundert.

Anti-Stratfordians vs. Stratfordians

Die Kritiker sind nicht davon überzeugt, dass der im ländlichen Gebiet aufgewachsene William Shakespeare die nötige Bildung besaß, um die Theaterstücke und Gedichte zu schreiben. Laut diesen Skeptikern fehlte ihm auch der Einblick in das in den Werken häufig dargestellte Leben am Königshof. Der wahre Autor musste demzufolge ein hoch gebildeter Adeliger oder zumindest ein sehr belesener Zeitgenosse sein.

Hingegen ist der Shakespeare aus Stratford als ein dem Schreiben unkundiger Mann vom Lande dargestellt worden. Darum werden in der Autorschaftsfrage die Zweifler „Anti-Stratfordians“ genannt.

Ihre Kandidaten für die Verfasserschaft reichen von dem berühmten Renaissancephilosophen Francis Bacon bis zu dem Dramatiker und Poeten Christopher Marlowe. Dazu sind weitere wilde Verschwörungstheorien entstanden. Neben dem Politiker Henry Neville ist selbst Königen Elizabeth I. (!) zur Verfasserin erklärt worden. Der aussichtsreichste Kandidat vieler Anti-Stratfordians ist der „17th Earl of Oxford“ Edward de Vere.

Besagter Earl of Oxford hat zahlreichen Anti-Stratfordians zufolge das Pseudonym William Shakespeare verwendet bzw. eine andere Identität angenommen, da er am königlichen Hof nicht in Ungnade fallen und sich dort nicht lächerlich machen wollte. Das Publizieren von Gedichten sowie Dramen verstieß nämlich angeblich gegen den höfischen Kodex.

Von den meisten Akademikern auf diesem Gebiet werden aber die Theorien der Anti-Stratfordians abgelehnt. Sie glauben an die Autorschaft von Shakespeare aus Stratford und werden deswegen als „Stratfordians“ bezeichnet.

‚Autor oder nicht, das ist hier die Frage’

Es existierte in Stratford-upon-Avon eine Schule, obwohl es keine Dokumente über ihre Schüler mehr gibt. Der Vater von Shakespeare war auch Mitglied des Dorfrates. Aus diesem Grund wurde ihm das Recht eingeräumt seine Kinder zur Schule zu schicken, welches er höchstwahrscheinlich für seinen Sohn nicht ausgeschlagen hat.

Daneben konnte der am Anfang seiner Karriere reisende Schauspieler William Shakespeare – aus Sicht der Stratfordians – seinen Horizont erweitern. Gemäß vieler Experten sei jedoch das Besondere an Shakespeare seine unglaubliche Vorstellungskraft gewesen.

Außerdem lassen einige andere Sachverhalte die Thesen der Anti-Stratfordians äußerst problematisch erscheinen. Zum Beispiel wurde Marlowe im Jahre 1593 getötet, während Edward de Vere im Jahre 1604 starb. So waren die vermeintlich aussichtsreichen anderen Kandidaten schon tot, bevor der Autor von Shakespeares Werken nach der üblichen Datierung seine letzten Stücke (d.h. 1605-1614) geschrieben hat.

Man darf darüber hinaus Skepsis anmelden, ob zum Beispiel Francis Bacon die nötigen Fähigkeiten zum Verfassen der Dramen hatte, auch wenn man konstatiert, dass er ein hochgebildeter Mann war. Aufgrund des Mangels an Realien aus der Zeit wird man die Frage nach der Autorschaft aber wohl nie hundertprozentig lösen können.

Quellen:

Bate, Jonathan: The Genius of Shakespeare. Basingstoke u. Oxford: Picador 1997.

Dobson, Michael: Authorship Controversy. In: The Oxford Companion to Shakespeare. Hg. v. Michael Dobson u. Stanley Wells. Oxford: Oxford University Press 2005. S. 30-31.

Kreiler, Kurt: Der Mann, der Shakespeare erfand: Edward de Vere, Earl of Oxford. Frankfurt a. M. u. Leipzig: Insel Verlag 2009.

McCrea, Scott: The Case for Shakespeare. The End of the Authorship Question. Westport u. London: Praeger 2005. 

Das Gründerväter-Erbe: Die U.S.A. sind eine Republik, keine reine Demokratie

Die berühmten ‚founding fathers’ der U.S.A. schufen eine Republik. Dabei wollten sie eine direkte Demokratie in Amerika vermeiden.

Häufig werden die Gründerväter der U.S.A. als Befürworter demokratischer Grundsätze gesehen. Diese Behauptung ist dann oft mit der Annahme verbunden, dass die Gründerväter an die Gleichheit aller Menschen glaubten. Sicherlich findet man in der Unabhängigkeitserklärung und den Artikeln der amerikanischen Verfassung zur Schaffung einer Republik (oder, genau genommen, einer konstitutionellen bzw. an eine Verfassung gebundene Bundesrepublik) ein Bekenntnis zu demokratischen Prinzipien.

Dennoch benötigt man zum genauen Verständnis, was die Gründergeneration wirklich von einer reinen Demokratie hielt, Hintergrundwissen über die Repräsentanten der Gründergeneration allgemein sowie deren Ansichten. Am Anfang ist es hilfreich, auf einige der prägenden Traditionen dieser Leute einzugehen.

Der Besitz zählt: Das Konzept der ‚freien Männer’

Die meisten der Gründerväter waren zwar Einheimische der dritten oder vierten Generation, waren aber immer noch durch bestimmte kulturelle Eigenheiten ihrer Vorfahren geprägt. Wie viele ihrer Landsleute hatten sie eine britische oder englische Herkunft und besaßen daher eine Vorstellung über die traditionellen englischen Konzepte des ‚freien Mannes’ (eng. freeman) und des Grundbesitzers (eng. freeholder).

Zu diesen Personengruppen gehörten im damaligen, sehr vom Standes- oder Klassenbewusstsein durchdrungenen England nicht nur Besitzer von Boden und Land, sondern auch Leute, die im Jahr einen Besitz im Wert von mindestens 40 Shilling aufweisen konnten. Nur solchen ‚Männern’ war es dann gestattet, als unabhängige Wähler ihre Stimme in Grafschaftswahlen abzugeben, um Personen im unteren Adelsstand (eng. Knights of the Shire) ins Unterhaus des Parlaments zu senden.

Die freemen oder freeholders besaßen also ein Wahlrecht aufgrund ihres finanziellen Vermögens. Folglich steht das Konzept des freeman / freeholder mehr mit Aristokratie als mit Demokratie in Verbindung. Die Gründerväter der Vereinigten Staaten von Amerika hingen diesem Konzept jedoch an und glaubten an eine natürliche Aristokratie. Hierbei ist ein Blick in bestimmte wichtige Dokumente der Gründergeneration lohnenswert.

Die ursprünglich begrenzte Zahl der Wahlberechtigten in Amerika

Zwar lehnte die Gründergeneration eine erbliche Monarchie ab. Allerdings erhob sie deutliche Einwände gegen eine pure oder direkte Demokratie.

Zunächst ist, unter Berücksichtigung des Wissens über die freeholders, die Betrachtung einer berühmten Passage aus der vom Gründervater Thomas Jefferson verfassten Unabhängigkeitserklärung angebracht:

„Wir halten diese Wahrheiten für ausgemacht, daß alle Menschen gleich erschaffen worden, daß sie von ihrem Schöpfer mit gewissen unveräusserlichen Rechten begabt worden, worunter sind Leben, Freiheit und das Bestreben nach Glückseligkeit. Daß zur Versicherung dieser Rechte Regierungen unter den Menschen eingeführt worden sind, welche ihre gerechte Gewalt von der Einwilligung der Regierten herleiten…”

Jefferson erklärt im ersten Teil des Satzes die Gleichheit aller Menschen vor Gott und die Rechte, welchen allen Menschen zustehen, wohingegen er sich bei den ‚Regierten’ im letzten Teil in erster Linie auf die freemen bezieht.

Die Klasse der freemen setzte sich im damaligen Amerika hauptsächlich aus Großgrundbesitzern zusammen. Somit war vor allem eine Gruppe von wohlhabenden Menschen rechtmäßig befähigt, Repräsentanten auszuwählen und der Regierung Macht zu gewähren.

Interessanterweise besaß jeder Bundesstaat Kriterien zur Ermittlung der Wahlberechtigten, die ähnlich wie im früheren England einen bestimmten Wert an Eigentum nachweisen mussten. Demnach konnte nur eine begrenzte Anzahl von Bürgern das Recht zu wählen wahrnehmen, während dagegen viele andere Menschen (u. a. Sklaven, Schwarze und Frauen) ausgeschlossen wurden.

Erst mit der Ausdehnung des Wahlrechts im Laufe des 19. bzw. am Anfang des 20. Jahrhunderts wurde allen weißen Männern, Schwarzen (mit z. T. erheblichen Einschränkungen in manchen Staaten) und Frauen die Berechtigung dazu zuteil. Die Vereinigten Staaten kamen damit insgesamt in ihren ersten Jahren oder Jahrzehnten der Definition von einer Republik im engeren Sinne nahe, nämlich ein Zusammenschluss aus einer Reihe von Bundesstaaten mit gemeinschaftlich gewähltem / bestimmtem Oberhaupt und Delegierten ohne direktes Wahlrecht.

Das wird dadurch bestätigt, wie die Wahl in Bezug auf die drei Gewalten Legislative, Exekutive sowie Judikative ursprünglich angelegt war. Zum Beispiel wählten bis zur Ratifizierung des 17. Zusatzes zur Verfassung (1913) nur die entsprechenden Gesetzgeber der einzelnen Staaten die Senatoren. Darüber hinaus sind die U.S. Präsidenten schon immer indirekt von so genannten Wahlmännern / Wahlfrauen aus den einzelnen Bundesstaaten ins Amt gewählt worden.

Eigentlich etablierten die Gründerväter das Wahlmännersystem (Electoral College), um u. a. eine direkte Demokratie zu verhindern und die einzelnen Bundesstaaten zu stärken. Anfangs bevorzugten die meisten Vertreter der Gründergeneration sogar die alleinige Ernennung des Präsidenten durch den Kongress.

Die Tyrannei der ‚Faktionen’

Seit jeher werden die Richter des hohen Bundesgerichtes (Supreme Court) vom amtierenden Präsidenten mit Zustimmung des Senates ernannt. Man kann an diesem Punkt bereits erkennen, dass die Gründerväter ein System der indirekten Ernennung intendierten. Ausschließlich die Mitglieder des Repräsentantenhauses wählte das Volk von Beginn an direkt.

Die anderen beschriebenen Regierungsebenen waren allerdings Kontrollinstanzen für das Repräsentantenhaus zur Verhinderung der Tyrannei der Mehrheit. Davor warnte ein weiterer berühmter Gründervater, James Madison, in der bekannten Abhandlung The Federalist No. 10.

Dieses Dokument rät von einer reinen Demokratie ab, da eine solche Form gefährliche ‚Faktionen’ bzw. Gruppen schaffen würde, welche, Madisons Meinung nach, durch bestimmte Allianzen sowie Unehrlichkeit die Gelegenheit hätten, andere gesellschaftliche Gruppen oder Minderheiten zu missbrauchen. Als Vorbeugemaßnahme gegen die Tyrannei der Faktionen plädierte Madison für die von den founding fathers intendierte repräsentative Republik sowie eine Stärkung der einzelnen Bundesstaaten.

Unterschiedliche Talente und Fähigkeiten

Im Großen und Ganzen glaubte die Mehrheit der Gründervätergeneration überhaupt nicht an eine direkte oder reine Demokratie. Selbstverständlich waren alle Bürger der Vereinigten Staaten zu einem Leben in Freiheit und dem Streben nach Glück berechtigt. Nichtsdestotrotz sollten in der neuen Republik die Regierungsverantwortlichen ursprünglich größtenteils von Gesetzgebern der einzelnen Bundesstaaten sowie dafür vorgesehenen Personen ernannt werden.

Dabei orientierten die Gründerväter sich an dem ihnen vertrauten traditionellen (englischen) Konzept des freeholder. Ihnen zufolge hatte jeder Mensch bestimmte Rechte vor Gott, aber auch unterschiedliche Talente und Fähigkeiten. Aus diesem Grund war es aus ihrer Sicht zum großen Teil nur dazu befähigten Leuten gestattet, die Regierungsmitglieder zu ernennen.

Quellen:

Addison, Joseph: The Freeholder. Oxford: Clarendon Press 1979.

Bosso, Christopher J., John H. Portz u. Michael C. Tolley: American Government. Conflict, Compromise, and Citizenship. Boulder: Westview Press 2000.      

Cannon, John (Hg.): Dictionary of British History. Oxford: Oxford University Press. Überarb.  Aufl. 2009. 

McClanahan, Brion: The Politically Incorrect Guide to The Founding Fathers. Washington D.C.: Regnery Publishing, Inc. 2009.

Quite Franklin – Stereotypical Views and Benjamin Franklin’s Vicious Comments about Germans

During the 18th century, one of the U.S.A.’s most famous Founding Fathers, Benjamin Franklin, expressed his contempt for immigrants from German states to colonial America. In general, there have been stereotypical views about Germans in the U.S.A.  

Mass immigration has always represented a contested issue in North America as in almost every country of the Western world. On the one hand, a huge number of people nowadays demand stricter immigration laws. On the other hand, many people support a liberal immigration policy.

The U.S.A. is commonly referred to as ‚a nation of immigrants‘, though colonial North America was predominantly settled by migrants from England or Britain during the 17th and 18th centuries. After the U.S.A. was founded, the Congress of the new American republic passed several federal legislation including the Naturalization Acts in 1790, 1795, 1798 and 1802. These acts only addressed immigration indirectly. Instead, as the name makes clear, they focused on the process of naturalization.

During this period (i.e. between the 18th and 19th centuries) these naturalization laws were comparatively generous. Broadly speaking, they allowed foreign residents in America to gain relatively easy access to citizenship as long as these persons fulfilled specific criteria.

Besides an oath of loyalty and the completion of the period of legal residence, the criteria included the renouncement of former and / or other allegiances and of all foreign titles. Moreover, the candidates for naturalization had to convince a court to have a „good moral character“ and to believe in „the principles of the Constitution of the United States.“ However, only „free-born white persons“ could be naturalized.

Correspondingly, notwithstanding that free blacks were given citizenship in some states of the U.S.A., these Naturalization Acts particularly excluded slaves, a lot of free blacks, American Indians and indentured servants until the naturalization laws were changed in the 19th century. Today, the exclusion of certain ethnic or foreign groups is usually conceived of as ‚racism‘ or ‚xenophobia‘.

But the white people of colonial British America and the early American republic also viewed other groups of British migrants (as well as their descendants) and non-British immigrants with suspicion or contempt. At this point, we can, for example, point to the aversion to 18th-century immigrants from German states. One of the people who expressed dislike for them was Benjamin Franklin.

This illustrious figure among the U.S.A.’s Founding Fathers worried about large German communities in Pennsylvania. Before turning to Franklin’s vicious comments about Germans, we should elaborate on how Americans in the past perceived people from Germany.

Beer, Sauerkraut and ‚the Adipose Society‘ – American (Stereotypical) Views and Images of Germans

From the late 17th century to the mid-19th century, masses of people came to North America from the German states, which formed a German nation state in 1871. Germans were generally associated with beer and such an association is still common. Not by chance. Well-known American beer brands have a German origin. In this context, it is worth mentioning the founder of the Miller Brewing Company, Frederick Miller (1824-1888), and Adolphus Busch (1839-1913), the co-founder of the brewing company Anheuser-Busch.

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Germans and Their Beer – A 19th-century lithograph that is taken from page 49 of the anthology From Melting Pot to Multiculturalism: E pluribus unum ? (Ed. Peter Freese, 2005).

Apart from this, Germans have been regarded as embodiments of gluttony, overindulgence or obesity. Appropriately enough, a 19th-century American lithograph depicts stereotypical Germans. We see, for example, an obese couple, transporting beer barrels. The girl sits on one barrel, while the boy appears to drink beer.

As far as the overindulgence or obesity issue is concerned, it is remarkable that in 1963 the American TIME Magazine published an article about (West) Germany with the title „West Germany: The Adipose Society.“ A few passages of this article read as follows:

„Following the early ’50s, when the postwar boom set off what Germans call the Edelfresswelle, the gorgeous gobbling wave, buttocks and bosoms have expanded even more rapidly than the economy, and doctors have recognized two universal ailments: Doppelkinnepidemie, double-chin epidemic, and Hängebauch, or bellyhang.“

Parts of the article are certainly based on some stereotypical views.

Needless to say, more threatening images or views of Germans emerged in the U.S.A., when the two World Wars broke out. Then, the German word Sauerkraut was also replaced by the English term ‚liberty cabbage‘. Long before the 20th century, Germans had made themselves unpopular among Americans with a British background by, for instance, going to the park on Sundays to play loud brass music and do exercise, which the Germans called ‚Turnen‘.

During the colonial period many of the people from German states moved to Pennsylvania. Eventually, in the mid-18th century the colony of Pennsylvania was one-third German. Because of this fact, Benjamin Franklin reacted sharply.

‚These Palatine Boors‘ – Franklin’s Malicious Comments about Germans in Pennsylvania

Franklin expressed his contempt for the immigrants from German states. He stated the following in one letter to Peter Collinson (1694-1768), a Fellow of the Royal Society in Britain, on 9 May 1753:

„I am perfectly of your mind, that measures of great Temper are necessary with the Germans: and am not without Apprehensions, that thro’ their indiscretion or Ours, or both, great disorders and inconveniences may one day arise among us; Those who come hither are generally of the most ignorant Stupid Sort of their own Nation, and as Ignorance is often attended with Credulity when Knavery would mislead it, and with Suspicion when Honesty would set it right; and as few of the English understand the German Language, and so cannot address them either from the Press or Pulpit, ’tis almost impossible to remove any prejudices they once entertain. Their own Clergy have very little influence over the people; who seem to take an uncommon pleasure in abusing and discharging the Minister on every trivial occasion. Not being used to Liberty, they know not how to make a modest use of it;…“

His writings contain more malicious comments about Germans, as a part of his essay „Observations Concerning the Increase of Mankind“ (1751) demonstrates:

„And since Detachments of English from Britain sent to America, will have their Places at Home so soon supply’d and increase so largely here; why should the Palatine Boors be suffered to swarm into our Settlements, and by herding together establish their Language and Manners to the Exclusion of ours? Why should Pennsylvania, founded by the English, become a Colony of Aliens, who will shortly be so numerous as to Germanize us instead of our Anglifying them, and will never adopt our Language or Customs, any more than they can acquire our Complexion.“

He clearly feared the dominance of the German language in Pennsylvania.

His main concern was that the Germans would not adopt the English language and English customs. On 12 August 1753, Collinson suggested some remedies in a letter to him:

„Hints Humbly proposed to Incorporate the Germans more with the English and Check the Increase of their Power

1st To Establish More English Schools amongst the Germans.

2dly To Encourge them to Learn English Lett an Act of Parliament pass in Great Britain to disquallifie every German from accepting any Place of Trust or Profit Civil or Military Unless both He and His Children can speake English inteligibly.

3d To prohibit any Deeds, Bonds, or writeings &c. to be Made in the German Language.

4 To Suppress all German Printing Houses that print only German. Half German half English in a Page of Books or publick News papers To be Tolerated.

5th To prohibit all Importation of German books.

6 To Encourage the Marriages of Germans with English and Contra by some Priviledge or Donation from the Publick.

7ly To Discourage the sending More Germans to the Province of Pensilvania When Inhabitans are so much Wanted in Georgia, North Carolina and Nova Scotia &c.“

Franklin later responded in another letter in 1753, giving answers regarding the proposals.

At the beginning of the letter, he advised careful measures: „With regard to the Germans, I think Methods of great tenderness should be used, and nothing that looks like a hardship be imposed.“ What is especially noteworthy is his answer to the sixth proposal:

„The sixth Proposal of Encouraging Intermarriages between the English and Germans, by Donations, &c. I think would either cost too much, or have no Effect. The German Women are generally so disagreable to an English Eye, that it wou’d require great Portions to induce Englishmen to marry them. Nor would the German Ideas of Beauty generally agree with our Women; dick und starcke, that is, thick and strong, always enters into their Description of a pretty Girl: for the value of a Wife with them consists much in the Work she is able to do. So that it would require a round Sum with an English Wife to make up to a Dutch Man the difference in Labour and Frugality. This Matter therefore I think had better be left to itself.“

To put it mildly, from today’s point of view, his statements were extremely politically incorrect.

Sources:

Freese, Peter (Ed.). From Melting Pot to Multiculturalism: E pluribus unum ?. Berlin et al.: Langenscheidt, 2005.

Gerber, David A. American Immigration: A Very Short Introduction. Oxford: Oxford University Press, 2011.