Die Auswirkungen des digitalen Wandels auf die nationale und regionale Wirtschaft

Die Digitalisierung wirkt sich erheblich auf die gesamte Wirtschaftswelt aus. Infolge des digitalen Wandels ergeben sich – sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene –  zahlreiche Veränderungen und Innovationschancen für den Dienstleistungsbereich, die Industrie sowie die Marktwirtschaft insgesamt.   

Digitale Technologien, digitale Medien und eine digitale Infrastruktur verändern unseren Alltag. Hochleistungscomputer, das Internet, zahlreiche Apps, intelligente Maschinen, 3D-Drucker und andere Innovationen ermöglichen uns Menschen im 21. Jahrhundert die Überwindung von physischen und geographischen Grenzen. Entsprechend schreitet die damit einhergehende Digitalisierung unaufhaltsam voran. Sie eröffnet dabei ungeahnte Innovationschancen.

Vom technischen Standpunkt aus versteht man unter Digitalisierung den Prozess der Umwandlung von analogen Informationen oder Signalen jedweder Art (d.h. Texte, Laute, Töne, Bilder etc.) in digitale Formate. In diesem Zusammenhang sind die Informationen als Bits bzw. binary digits codiert. Ein Bit enthält nur einen von zwei binären Werten. Folglich hat ein Bit entweder den Wert „binäre Null / 0” oder den Wert „binäre Eins / 1”. Diese Werte repräsentieren wiederum zwei unterschiedliche Zustände (z.B. wahr / falsch, ein / aus etc.).

Einsen und Nullen kann man sozusagen als die ‚Muttersprache’ von Computern und verwandten Geräten bezeichnen. Einfach ausgedrückt operieren oder ‚rechnen’ Computer auf der Basis von Binärcodes, bei denen Informationen durch Sequenzen aus den zwei verschiedenen Binärziffern 0 und 1 dargestellt werden.

Neben der Umwandlung von Informationen in digitale Formate oder der digitalen Modifikation von Geräten, Instrumenten und Fahrzeugen umfasst der Begriff Digitalisierung noch eine weitere Bedeutung. So bezieht sich Digitalisierung auch auf die digitale Wende oder den digitalen Wandel. Allgemein lässt sich der digitale Wandel folgendermaßen definieren:

„Die digitale Transformation (auch „digitaler Wandel“) bezeichnet einen fortlaufenden, in digitalen Technologien begründeten Veränderungsprozess, der als Digitale Revolution die gesamte Gesellschaft und in wirtschaftlicher Hinsicht speziell Unternehmen betrifft.” (Quelle: Wikipedia; eine ähnliche Definition findet sich im Gründerszene-Lexikon.)

Somit erfassen die durch die fortschreitende Digitalisierung in Gang gesetzten Veränderungen sämtliche Gesellschaftsgruppen auf nationaler wie regionaler Ebene.

Gleichzeitig wirkt sich der digitale Wandel erheblich auf die nationale und regionale Wirtschaft aus. Dies hängt mit den ‚einzigartigen’ Eigenschaften der Digitalisierung in unserer ‚Informationsgesellschaft’ zusammen.

Für die Digitalisierung gelten andere Gesetze

Während unser menschliches Leben sowie alle physischen Objekte natürlichen Gesetzen unterworfen sind, folgt die Digitalisierung keinen herkömmlichen Regeln. Im Gegensatz zu normalen Alltagsgütern sind nämlich digitalisierte Informationen „nicht aufbrauchbar” und ziemlich billig bei der Vervielfältigung.

Die Wirtschaftswissenschaftler Erik Brynjolfsson und Andrew McAfee verdeutlichen diese und einige andere Eigenschaften der „allumfassenden Digitalisierung” in ihrem Buch The Second Machine Age (2014). Ihre Überlegungen basieren unter anderem auf Gordon Moores Gesetz, wonach sich die Computerleistung alle zwei Jahre verdoppelt.

Demzufolge steigert sich laut ihnen die Computerleistung exponentiell (oder besonders schnell), so dass Computer samt Zubehör eine höhere Download-Geschwindigkeit, Speicherkapazität, Prozessorgeschwindigkeit und Energieeffizienz aufweisen. Zudem werden sie kleiner, dichter, wesentlich kostengünstiger und damit für die Allgemeinheit erschwinglicher.

Vor dem Hintergrund der irgendwann erreichten physischen Grenzen im Falle weiterer Verdichtungen prognostizieren allerdings Fachleute (einschließlich Moore selbst) ein Ende des Mooreschen Gesetzes. Ebenso wird ein Versiegen der Rechenkapazität prophezeit. Jedoch ist Moores Gesetz laut Brynjolfsson und McAfee deshalb so langlebig, weil man ständig neue Umgehungsmethoden entdeckt hat, um den physischen Limits oder Grenzen auszuweichen.

Jedenfalls bringt das exponentielle Wachstum der Computerleistung für die gesamte Marktwirtschaft weitreichende Konsequenzen mit sich. Bereits jetzt sind die Folgen des digitalen Wandels für jeden mehr als offensichtlich. Sie betreffen vor allem den Kommunikations-, Medien- und Dienstleistungsbereich.

Neue Wege des Wirtschaftens – Die Folgen des digitalen Wandels für die Marktwirtschaft 

Sowohl gemäß den vorherigen Ausführungen als auch den Worten des Ethikprofessors Nils Ole Oermann führt die Digitalisierung der Marktwirtschaft im Zuge des digitalen Wandels zu einer „Beschleunigung der Transaktionen” bei gleichzeitiger „Senkung der Transaktionskosten”. Da sich ferner durch mobile, digitale Kommunikation die Möglichkeit ergibt, Informationen aller Art in Sekundenschnelle an vielen verschiedenen Orten abzurufen, treffen sich Angebot und Nachfrage immer öfters in digitalen Medien oder virtuell.

Aufgrund dessen lesen viele von uns heutzutage nicht nur die Nachrichten im Internet, sondern erledigen außerdem unzählige Bank- und Kaufgeschäfte online. Hierbei entwickeln sich grenzüberschreitende Märkte, die eine Art ‚Entörtlichung’ der wirtschaftlichen Aktivitäten nach sich ziehen. Zusätzlich entstehen neue Wirtschaftsformen, Geschäftsmodelle und digitale Wege des Wirtschaftens.

Durch Internet-Tauschbörsen, Dienstleistungen via App (neben einer Vielzahl weiterer Onlineangebote) und zum Beispiel durch die Aussicht, mit Hilfe eines 3D-Druckers eigene Produkte zu fertigen, verschwimmen die Grenzen zwischen Produzent und Konsument, abhängiger Arbeit und Selbstständigkeit sowie zwischen öffentlichen und privaten Gütern. All diese Aspekte unterstreichen die sich infolge des digitalen Wandels vollziehenden Transformationen in der Wirtschaftswelt. Selbstverständlich haben die Veränderungen auch das verarbeitende Gewerbe erreicht.

Eine weitere ‚Industrielle Revolution’ ?

In der Industrie stellt man sich zukünftig auf eine intensive Verknüpfung von Produktion mit hochmodernen Informations- und Kommunikationstechniken ein. Genau um diese Verzahnung und die Automatisierung der Produktion drehen sich das von der deutschen Bundesregierung initiierte Zukunftsprojekt und die gleichnamige Forschungsplattform Industrie 4.0.

Mit Blick auf den Namen erwartet man nicht weniger als eine vierte ‚Industrielle Revolution’. Doch ist eine Revolutionierung der Industrie in absehbarer Zeit vorstellbar ? Antworten auf diese Frage geben möglicherweise einige vielversprechende Konzepte für eine vernetzte industrielle Fertigung und eine so genannte smart factory.

Solche Konzepte haben insbesondere für den Industriestandort Deutschland eine große Bedeutung. Merkmale der digitalisierten Fabrik der Zukunft sind laut IFS – einem global operierenden Anbieter von Business Software – eine veränderte Unternehmenskultur, eine flexiblere Anpassung an neue Marktanforderungen und Kooperationen mit Universitäten. Interessanterweise zeichnen sich zukünftige Fertigungsunternehmen daneben durch eine stärkere Lokalisierung oder Ausdifferenzierung in mehrere, kleinere Standorte aus, damit lokale Ressourcen schneller zugänglich sind.

Die Potentiale der Regionen in einer digitalisierten Welt

Trotz einer voranschreitenden Entörtlichung der Arbeit und einer Verlagerung der wirtschaftlichen Aktivitäten in Netzwerke und digitale Medien bleiben Regionen einschließlich Kommunen in einer digitalisierten Welt wichtig. Beispielsweise verweist Tim Cole in seinem Buch Digitale Transformation (2015) unter Einbeziehung von Studien auf die noch immer existierende Bedeutsamkeit der Distanz und des lokalen oder regionalen Standortes beim Online-Handel.

Cole erwähnt darüber hinaus die zunehmende Regionalisierung sowie Verstädterung der Wirtschaft im Kontext einer gegenwärtigen Urbanisierungswelle. Diese Prozesse sorgen für große logistische Herausforderungen.

Um die Attraktivität der Regionen zu steigern, benötigt man flexible, auf die Zukunft ausgerichtete Rahmenbedingungen für die Entwicklung von neuartigen Berufsbildern, Dienstleistungen, Geschäftsmodellen und innovativen Start-up-Unternehmen. Andere entscheidende Faktoren sind die Bereitschaft zu neuen Kollaborationsformen zwischen Unternehmen untereinander sowie Kooperationen zwischen wirtschaftlichen Organisationen und gesellschaftlichen Gruppen. Als förderlich erweisen sich sicherlich auch digitale Plattformen zum Austausch oder zur Weiterbildung und Netzwerkaktivitäten in der realen wie virtuellen Welt.

Schließlich sollten die regionalen Unternehmen günstige Arbeitsbedingungen für die verschiedenen wirtschaftlichen Akteure schaffen, so dass es möglich ist, gegebenenfalls Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren, sich den (langen) Arbeitsweg zu sparen und / oder vom Wohnort aus zu arbeiten. Zu den Zielen sollte außerdem die Erzeugung einer produktiven Arbeitsatmosphäre (z.B. Coworking Spaces) gehören. Grundvoraussetzungen dafür sind – abgesehen von kreativen Strategien und veränderungswilligen Menschen – eine adäquate physisch-technische Infrastruktur und ein schneller Zugang zu leistungsfähigem Internet.

Zitierte und weiterführende Quellen:

Brynjolfsson, Erik u. Andrew McAfee: The Second Machine Age. Wie die nächste digitale Revolution unser aller Leben verändern wird. Kulmbach: Börsenmedien AG 2014. 

Cole, Tim: Digitale Transformation. Warum die deutsche Wirtschaft gerade die digitale Zukunft verschläft und was jetzt getan werden muss!. München: Verlag Franz Vahlen 2015.

Kaczorowski, Willi: Die smarte Stadt – Den digitalen Wandel intelligent gestalten. Stuttgart (u.a.): Richard Boorberg Verlag 2014. 

Oermann, Nils Ole: Wirtschaftsethik. Vom freien Markt bis zur Share Economy. München: Verlag C.H. Beck 2015. 

Ritter, Helge: Möglichkeitenräume der Oberflächenwelt. Interview mit dem Koordinator des CITEC an der Universität Bielefeld. In: Wachstum im Wandel. Chancen und Risiken für die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft. Hg. v. Bertelsmann Stiftung. Gütersloh: Verlag Bertelsmann Stiftung 2016. S. 116-127. bes. S. 121.

 

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